Community-Event in Frankfurt

Gemeinsam die Welt im Dunkeln erleben

Am Samstag, den 4. Juli 2026, stand unser nächstes Community-Event auf dem Programm. Dieses Mal trafen wir uns in Frankfurt – nicht nur mit unseren Studierenden und Azubis aus Frankfurt selbst, sondern auch mit zwei Teilnehmenden aus Darmstadt. Gemeinsam besuchten wir das Dialogmuseum, das vielen auch als "Dunkelmuseum" bekannt ist.

Bereits zu Beginn bekamen wir eine spannende Einführung. Mithilfe spezieller Brillen konnten wir verschiedene Sehbeeinträchtigungen und Augenerkrankungen wie beispielsweise den Grünen Star nachempfinden. Anschließend erhielt jede Person einen passenden Blindenstock, bevor wir in einen Vorraum geführt wurden. Dort nahmen wir auf leuchtenden Würfeln Platz – und dann wurde es plötzlich komplett dunkel.

Unser Guide begrüßte uns in absoluter Finsternis und wir stellten uns zunächst gegenseitig vor. Von diesem Moment an waren wir ausschließlich auf unsere anderen Sinne angewiesen. Unser Guide leitete uns mit ihrer Stimme durch die Ausstellung und wir folgten ihren Anweisungen wie "links an mir vorbei" oder "rechts an mir vorbei". Schnell wurde klar: Ohne Vertrauen und Teamarbeit geht hier nichts.

Während der Tour erkundeten wir verschiedene Lebenssituationen, die blinde Menschen im Alltag erleben. Im ersten Raum befanden wir uns in einem Park. Unterschiedliche Bodenbeläge wie Steine, Gras und Sand waren deutlich unter den Füßen zu spüren. Wir ertasteten Blumen und überquerten gemeinsam eine leicht schwankende Brücke. Dabei unterstützten wir uns gegenseitig: Wer vorne lief, half der nächsten Person ans Geländer, die diese Hilfe wiederum an die Person hinter sich weitergab. Es war beeindruckend zu erleben, wie selbstverständlich man sich gegenseitig unterstützt, obwohl sich nicht alle Teilnehmenden vorher kannten.

Anschließend überquerten wir eine Straße, nutzten das akustische Signal einer Fußgängerampel und fuhren sogar gemeinsam Straßenbahn – alles natürlich in völliger Dunkelheit. Besonders spannend war auch der Besuch eines Kinos. Dort hörten wir eine Audiodeskription, bei der ein Sprecher die sichtbaren Szenen beschreibt. Für uns entstanden dabei automatisch Bilder im Kopf. Gleichzeitig wurde uns bewusst, dass Menschen, die von Geburt an blind sind, diese visuellen Vorstellungen gar nicht entwickeln können. Sie kennen Gegenstände wie ein Lenkrad oder einen Autositz durch Berührung, können sie jedoch nicht bildlich vor ihrem inneren Auge sehen. Diese Erkenntnis hat viele von uns nachhaltig beeindruckt.

Zum Abschluss der Tour besuchten wir die Dunkelbar – ein Café, das ebenfalls vollständig im Dunkeln liegt. Dort bestellten wir Getränke und setzten uns gemeinsam an einen Tisch. Obwohl wir niemanden sehen konnten, erkannten wir unsere Gesprächspartner allein an ihren Stimmen. Es fühlte sich an, als säßen wir in einer kleinen, vertrauten Runde zusammen.

Nach der Führung hatten wir noch die Möglichkeit, unserem Guide Fragen zum Leben mit einer Sehbehinderung zu stellen. Wir sprachen darüber, wie sich der Alltag verändert, welche Herausforderungen bestehen und wie lange es dauern kann, sich nach einer Erkrankung oder einem Unfall an ein Leben ohne Sehvermögen zu gewöhnen. Diese offenen Gespräche machten den Besuch noch einmal besonders wertvoll.

Unser Fazit: Dieses Event war weit mehr als ein Museumsbesuch. Es war eine intensive Erfahrung, die gezeigt hat, wie wichtig Vertrauen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung sind. Obwohl sich nicht alle Teilnehmenden kannten, funktionierte die Zusammenarbeit im Dunkeln ganz selbstverständlich. Wenn man nichts sieht, spielen Äußerlichkeiten keine Rolle mehr – man verlässt sich auf Stimmen, Berührungen und gegenseitige Hilfe. Genau das machte dieses Erlebnis so besonders.

Im Anschluss ließen wir den Nachmittag beim gemeinsamen Essen in Frankfurt ausklingen. Ein großes Dankeschön an alle, die dabei waren. Wir freuen uns schon auf das nächste Community-Event!

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